Welche Verlustgründe könnten dafür gesorgt haben, daß ich die deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr besitze?

Sehr viel leichter als die chilenische kann die deutsche Staatsangehörigkeit wieder verloren gehen. Der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit wirkt sich auf den Betroffenen mit Eintreten des Verlusttatbestandes -also sofort- aus. Weitere Auswirkungen hat der Verlust dann natürlich auch auf später geborene oder adoptierte Kinder des Betroffenen. Wer nämlich die deutsche Staatsangehörigkeit im Zeitpunkt der Geburt seines Kindes nicht (mehr) besitzt, kann sie auch nicht mehr an das Kind weitergeben. Daher ist bei der Ableitung der Staatsangehörigkeit über mehrere Generationen lückenlos nachzuweisen, daß kein Verlusttatbestand eingetreten ist.

1. Einbürgerung in einen fremden Staatsverband

Wer nach dem 23.07.1913 eine fremde Staatsangehörigkeit auf Antrag (= aktive Abgabe einer auf den Erwerb der fremden Staatsangehörigkeit gezielten Willenserklärung) erworben hat, hat die deutsche Staatsangehörigkeit im Zeitpunkt der Vollendung des Erwerbs der fremden Staatsangehörigkeit verloren. Bis zum 31.12.1999 trat der Verlust nicht ein, wenn der Betroffene (zivilrechtlichen) Wohnsitz im Inland hatte. Seit 01.01.2000 tritt der Verlust unabhängig vom Wohnsitz ein.
Vor dem Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit kann man sich durch eine Beibehaltungsgenehmigung schützen.

Diese kann auf Antrag erteilt werden, wenn weiterhin starke Bindungen an Deutschland bestehen und der Erwerb der fremden Staatsangehörigkeit notwendig ist, um wichtige Benachteiligungen zu verhindern oder zu mildern. Die Beibehaltungsgenehmigung ist in jedem Falle kostenpflichtig. Nähere Auskünfte erhalten Sie bei der deutschen Botschaft.

2. Legitimationsloser Aufenthalt im Ausland

Dieser Verlusttatbestand war im Gesetz über die Reichs- und Staatsangehörigkeit vom 01.06.1870 geregelt und bis zum Inkrafttreten des RuStAG am 23.07.1913 wirksam.

Danach hat der deutsche Staatsangehörige, der sich mehr als 10 Jahre im Ausland aufhielt und sich nicht in die bei den deutschen Botschaften, Gesandtschaften und Konsulaten vorliegenden Konsularmatrikel eintragen ließ, die deutsche Staatsangehörigkeit verloren. In der Praxis spielt dieses Gesetz nur eine Rolle, wenn die Staatsangehörigkeit von einem Vorfahren abgeleitet wird, der bereits vor 1913 ausgewandert ist.

Ein positiver Auszug aus der Konsularmatrikel reicht als Nachweis aus, daß die deutsche Staatsangehörigkeit zumindest nicht nach dieser Vorschrift verloren ging. In diesen Fällen kann die Botschaft im Vorfeld eine Matrikelanfrage beim BVA vornehmen. Eine Antwort liegt in ca. 6 bis 8 Wochen vor.

Bei einer Negativbescheinigung besteht keine Aussicht auf eine positive Feststellung der deutschen Staatsangehörigkeit. Zur Überprüfung, ob die Vorfahren in den Matrikeln eingetragen sind, können Sie das Email Formular verwenden. Geben Sie bitte Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Geburtsort ihres Vorfahren an. Ohne diese kompletten Angaben ist eine Auskunft leider nicht möglich.

3. Adoption durch einen Ausländer

Wer von einem Ausländer adoptiert wird und durch die Adoption dessen Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Verlust tritt nicht ein, wenn der Betroffene mit einem deutschen Elternteil verwandt bleibt.

4. Eintritt in die Streitkräfte eines fremden Staates

Wer nach dem 01.01.2000 aufgrund einer freiwilligen Verpflichtung ohne Zustimmung nach § 8 des Wehrpflichtgesetzes in die Streitkräfte eines ausländischen Staates, dessen Staatangehörigkeit er besitzt, eintritt verliert die deutsche Staatsangehörigkeit.

5. Entlassung und Verzicht

Wer eine fremde Staatsangehörigkeit erwerben will, kann sich, sofern dies für das Antragsverfahren erforderlich ist, aus der deutschen Staatsangehörigkeit entlassen lassen. Wer mehrere Staatsangehörigkeiten besitzt, kann auf die deutsche Staatsangehörigkeit verzichten. In beiden Fällen ist ein schriftlicher Antrag erforderlich, den die Botschaft an die zuständige Stelle in Deutschland weiterleitet.
Der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit tritt beim Verzicht durch Aushändigung der Verzichtsurkunde ein, bei der Entlassung bei Aushändigung der Entlassungsurkunde. Die Entlassung ist allerdings unwirksam, wenn der Erwerb der fremden Staatsangehörigkeit nicht innerhalb eines Jahres nach der Aushändigung der Urkunde erfolgt.

6. Legitimation durch einen Ausländer

Bis zum 31.12.1974 verliert ein Kind durch nach deutschen Gesetzen wirksame Legitimation durch einen Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit.

Welche Verlustgründe könnten dafür gesorgt haben, daß ich die deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr besitze?

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